So vergehen Monate und Jahre

        

Vor fast 2 Jahren um 2.40 veränderte sich unser Leben. Wo beim Frauenarzt Termin abends noch keine Wehen zu verzeichnen waren, gingen sie nur wenige Stunden später los. Die Fruchtblase platzte im Kreissaal eigenen Badezimmer, der Muttermund war schnell komplett auf. Ich denke gern an diese Momente zurück, denn für mich hätte die Geburt nicht schöner sein können.
Ich wünschte mir ein Septemberbaby, am letzten Tag des Monats bekam ich es. Sie war so unglaublich zart und klein, grade einmal 2600 Gramm (was später ja noch auf 2100 runter gehen sollte) und 48cm Leben hatte ich im Arm. Wir waren verliebt, vom ersten Moment an.
Sie nahm zu, wurde größer, fing an sich zu drehen, zu krabbeln und 2 Wochen vor ihrem ersten Geburtstag hatte ich wieder Tränen in den Augen vor Stolz. Sie lief!
Wir feierten ihren ersten Geburtstag mit Kuchen, vielen Luftballons und Girlanden, Rutscheauto und Motorikwürfel. Sie lief im Garten hin und her, zeriss mit größter Freude das Geschenkpapier und hatte wahnsinnigen Spaß.
Jetzt ist es wieder soweit. Es wird vorbereitet und geplant, die Geschenke sind verpackt und am Montag heisst es wieder: „Happy Birthday“. 2 Jahre. 2! Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht und sie vom kleinen Baby zum großen Mädchen herran wächst.
Ich bin jeden Tag so stolz auf sie und könnte mir nichts schöneres vorstellen, als Mutter von diesem liebenswürdigen Kind zu sein.
Auf die große 2!

(Mit fast 2 und mit einer Woche. / Ebenfalls fast 2 und 1 Jahr. Die Zeit rennt…)

Diese Tage

        

Müde wälzt sie sich aus dem Bett, diese Nacht hatte sie nur 3 Stunden Schlaf. Es war nicht das Problem, dass man zu spät ins Bett ging, sondern, dass man einfach nicht schlafen konnte. Gedanken, die im Kopf schwirren, der Mann neben ihr, der schnarcht und lautstark atmet, sodass an Ruhe kaum zu denken ist. Viel zu früh klingelte der Wecker, am liebsten würde man liegen bleiben. Aber es geht nicht, denn man hat nur 3 Optionen. Sich eine halbe Stunde Ruhe im Bad gönnen, viel zu kalt, aber ein Muss, liegen bleiben und sich später fertig machen, dann aber im Schnelltempo, zusammen mit dem Kinderbespaßungsprogramm, wahrscheinlich tausend Male „Nein“ sagen und ein Mädchen, was meckert. Oder man lässt es ganz sein, aber das… Geht ja auch nicht.
Endlich fertig darf man sich nochmal ins Bett kuscheln, aber die Ruhe währt nicht lang. Das Mädchen ist wach und will aufstehen. Immer noch so müde! Seufzend erheben und der Tag startet.

Es muss eingekauft werden. Nachdem die letzten Male katastrophal waren, weil das Mädchen gar keine Lust zu laufen hat, beugt man heute vor und nimmt den Buggy mit. Alles klappt wunderbar, bis zum Supermarkt. Es ist so spannend, dass man doch lieber laufen möchte, aber nur mit der Option selber den Buggy zu schieben. So weit, so gut. Wäre da nicht das Problem, dass sie einen Schreikrampf bekommt, wenn man den Buggy zusammen schiebt, damit sie keine Oma’s überfährt oder mit dem Buggy umkippt. Tja. Irgendwie schaffen sie es zur Kasse. Wie immer, eine Schlange. Das Mädchen wird langsam unruhig, will nicht länger warten. Sie möchte den Buggy vorwärts schieben, doch da steht noch eine Kundin. Sie wird sauer, lässt den Buggy los und wirft sich auf den Supermarktboden. Sie tritt um sich und schreit, will sich nicht beruhigen. Zum Glück verstehen die Umwesenden das Problem, lächeln und quatschen auf das Mädchen ein. Die Mutter atmet tief ein und aus, hebt das Kind hoch, stellt sie wieder hin. Zum Glück sind sie jetzt an der Reihe. Bei dem Versuch zu bezahlen und die Ware einzupacken, schnappt das Mädchen sich schon wieder den Buggy und läuft vor. Alles schnell zusammen geschmissen und hinterher. Bis zum Ende des Parkplatzes geht es gut, dann kippt der Buggy und irgendwie ist das schieben dann doch doof. Laufen möchte sie nicht, aber sitzen ist auch nicht das Wahre. Zähne zusammen beissen und abwägen, was zu tun ist. Kind mit Protest in den Buggy setzen? Laufen ist nicht möglich. Es wird stehen geblieben und getrotzt. Tragen? Geht nicht. Der Einkauf ist schwer genug, die Handtasche ebenso dabei und die Schultern tun sowieso schon weh. Also nimmt sie ihre Tochter, setzt sie in den Buggy und erntet sofort Geschrei. Sie schmeisst sich aus dem Buggy und schreit. Also nochmal. Dieses Mal müssen die Anschnaller dran glauben, es klappt einfach nicht anders. Wiederwillig schnallt sie ihre Tochter fest, weder ihr, noch dem Mädchen gefällt es. Mit riesen großem Theater läuft sie los, wird von Rentnern schräg angeschaut, an der Ampel eine Strasse weiter beruhigt sich das Mädchen wieder. Endlich!
Zuhause angekommen, klappt sie den Buggy zusammen und läuft die Treppen hoch. Bei der dritten Treppe bleibt das Mädchen stehen, weigert sich, weiter zu laufen. Wieder kurz die Augen schließen, Zähne zusammen und auf dem Arm mit dem Mädchen. Voll bepackt und mit Schmerzen läuft sie die Treppen weiter hoch, setzt das Kind ab, um den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Ein kurzer Moment reicht und schon ist das Mädchen die Treppen wieder herunter gelaufen. Die Tür ist aufgeschlossen, die Einkäufe in den Flur geworfen und das Mädchen wieder eingefangen.

Es muss gekocht werden. Kartoffeln werden geschält und gekocht, zwischendurch immer wieder ein kurzes auf dem Arm kuscheln. Das Mädchen beschäftigt sich super allein, nimmt sich ihre Trinkflasche zum Essen mit ins Wohnzimmer und ist erstaunlich ruhig. Die Mutter schaut nach dem rechten, sieht sie auf dem Sofa sitzen, mit den Dingen, die sie vom Esstisch mitgenommen hat. Aus dem Augenwinkel wirkt es nass. Ein kurzer Blick und es ist klar. Die Trinkflasche ist leer, das Sofa, die Decken und das Kind dafür triefen. Ruhig bleiben, einfach ruhig bleiben.. Sie zieht dem Mädchen frische Sachen an, versucht alles ein wenig trocken zu wischen und widmet sich wieder dem Essen. Was derweil angebrannt ist. Das Mädchen läuft in ihr Zimmer, die Mutter hört nur ein Geräusch, was sie aufhorchen lässt. Sie läuft hinterher, findet das Kind in ihrem Bett vor, das Kabel der Lampe in der Hand. Überall fliegt Farbe rum. Das war es dann mit dem Kabel verstecken an der Wand… Sie riss den Kabelkanal von der Wand und die übermalte Tapete gleich mit.
Kurze Zeit später kommt der Mann nach Hause und es gibt Essen. Irgendwie möchte das Mädchen heute nicht so recht essen und lieber bei Mama auf den Arm. Also gibt es heute Essen mit einer Hand, mit dem Versuch, irgendwie nicht zu kleckern und das Kind zu bespaßen. Kaum ist das Abendessen leer, wird abgeräumt und Sie wäscht ab. Währenddessen verabschiedet sich der Mann wieder und es ist Bettzeit für das Mädchen. Aber auch das will heute nicht so recht. Sie kommt nicht zur Ruhe, jammert, wälzt sich hin und her. Irgendwann übermannt die Müdigkeit sie doch und das Mädchen fällt in den Schlaf.
Prompt fangen die Nachbarn von unten an zu bohren, laut, mindestens eine halbe Stunde lang. Das Kaninchen im Wohnzimmer macht Lärm, also noch einmal aufstehen und nachsehen. Das Futter wird aufgefüllt und wieder ins Bett gekrochen. Kaum ist Ruhe, kommt der angekündigte Laternenumzug am Haus vorbei, begleitet mit Sirenen der Feuerwehr und Spielmannszug. Großes Seufzen und warten auf das Ende. Sie nimmt sich noch ihr Handy und schaut auf ihren Apps rum. Öffnet ask.fm und liest wieder eine dieser netten Fragen, die gemein und verletztend sind. Wieso tun Menschen sowas? Das Handy wird beiseite gepackt und sie versucht zu schlafen. Tja und wieder sind da die Gedanken im Kopf, die für Stunden den Schlaf wieder verhindern.

Manchmal, da muss man einfach funktionieren. Da darf man nicht ausrasten, obwohl man sauer ist, weinen, weil die Nerven am Ende sind.
Man liest Dinge, die einen wütend und traurig zugleich machen, Gedanken im Kopf, die einen fertig machen, das Kind hat einen schlechten Tag, der Mann ist einfach nicht da und nichts klappt, wie man will. Trotzdem muss man irgendwie weiter machen. Weil man muss. Und wenn all sowas passiert, die nächsten Tage auch nicht viel besser sind, kommt der Moment, an dem man ganz allein da sitzt und weint. Weint, weil der Mann wieder nicht da ist. Weil man eine völlig banale Nachricht bekommen hat, mit etwas, wo man nicht mal weiß, ob es statt findet, aber die Schreibweise einen schon fertig macht.
Weil es wieder Stunden allein wären. Stunden, in dem man nicht einmal Luft holen und richtig zur Ruhe kommen kann. In denen man sieht, dass das Kind vermisst. Stunden, die wichtiger wären, als Zeit zusammen.
Die Tränen kommen ganz von allein und hören nicht auf. Wieder und wieder, wegen lächerlichem Kram. Man weint um all die Tage, an denen man die Zähne zusammen gebissen hat, um die Momente, wo man stark geblieben ist, um Vergangenes, was einen fertig macht.
Und dann kommt der Satz, dass es doch nicht statt finden wird. Und trotzdem ist es irgendwie nicht gut. Weil dieser Moment reichte, um etwas zum überlaufen zu bringen. Weil manches einfach zuviel ist.
Und man schreibt einfach alles auf. Kotzt die Seele auf Papier. Mit Tränen auf den Tasten und Wut auf sich selbst, weil es doch völliger Schwachsinn ist.
Im Leben ist nicht alles knuffig plüschig, sondern auch einfach mal Scheisse. Und das grade jetzt. In ein paar Tagen ist das vielleicht wieder ganz aus dem Kopf gestrichen, aber in diesen Momenten kann man einfach nicht aufhören, zu heulen. Und wenn die Tränen getrocknet sind, reisst man sich wieder zusammen und macht weiter. Weil man will. Weil man muss. Weil es gar nicht anders geht.

Arm in Arm

        

Es kommt selten vor und ist dann umso schöner… Wenn man mit dem Mäuschen auf dem Sofa liegt, sie sich in meine Arme kuschelt, ihre Decke ganz weit in ihr Gesicht zieht und die Augen langsam kleiner werden. In solchen Momenten liebe ich es einfach, Mama zu sein, weil das Wertvollste in meinem Leben neben mir liegt und mein Leben lebenswert macht. Ich liebe dich, kleine Maus…