Rückblick – Der erste FA Termin

        

Die Zeit zwischen dem positiven Test und dem ersten Termin beim Frauenarzt zieht sich wie Kaugummi, 3 Wochen. Wenige Tage vor dem eigentlichen Termin allerdings ändert sich alles. Blutungen… Was erst als Schmierblutung beginnt, wird auf einmal immer stärker und meine Angst so groß, dass wir kurzerhand den Termin vorverlegen und ich die Tränen nicht mehr zurückhalten kann. Eigentlich hätte ich erst in ein paar Tagen den Termin zur Schwangerschaftsfeststellung, aber durch all das Kopfkino halte ich es nicht mehr aus. Das erste Mal, dass ich keinerlei Schwangerschaftssymptome habe. Keinerlei Übelkeit, kein ziehen, einfach nichts.
Heulend rufe ich den Mann auf der Arbeit an, der Macht sofort einen Termin und nur wenige Stunden später sitzen wir angespannt im Wartezimmer. Immer wieder muss ich die Tränen zurück halten. Ja, Blutungen können normal sein, aber nach so langem Wunsch ist da auf einmal nur noch pure Panik. Endlich werden wir aufgerufen und die Ärztin schallt sofort. Doch der Moment, bis man endlich etwas sieht, ist ewig. Da – Ein kleiner Fleck und das schlagende Herz. Unter Tränen sehe ich das erste Mal unser Wunder, überglücklich, dass alles gut ist und das kleine Herzchen so kräftig schlägt. Unser Baby! 6+3, noch so klein, aber jetzt schon perfekt. Woher die Blutung kommt, kann nicht festgestellt werden, aber tatsächlich sind sie seit dem Tag spurlos verschwunden.

Das dritte Wunder

        

2024 hält ein besonderes Abenteuer für uns bereit und wird unser Leben ganz schön auf den Kopf stellen… Wir bekommen noch ein Baby! Noch einmal Windeln wechseln, schlaflose Nächte, kleine Füßchen, das erste Lächeln, Patschehändchen, Kinderwagen schieben und die Trage ausführen. Winzig kleine Kleidung, andauernd ausgezogene Söckchen, Babyduft und das Wunder der Geburt. Wir freuen uns so sehr ❤️

Damals bei J. ging alles ganz schnell. Pille abgesetzt und sofort im ersten Zyklus schwanger. Hibbelzeit? Fehlanzeige. Tja und dann kam der Wunsch nach Nummer 3. Unregelmäßiger Zyklus, gesundheitliche Probleme und als wir das endlich in den Griff bekamen, warteten wir Monat für Monat.
Keine Ovulationstest, kein Temperatur messen, kein testen vor der Periode. Lediglich auf die Zeitspanne achten, die rein rechnerisch den Eisprung vorhersagt. Kein Symptome deuten und verrückt machen. Bis dieser eine Monat kam… Fast ein Jahr haben wir gehofft und irgendwie konnte ich diesmal nicht abwarten und testete einen Tag vor der Periode, völlig symptomfrei. Vor Ewigkeiten hatte ich Tests gekauft, die so lang im Schrank schlummerten, dass sie abgelaufen waren. Erst wollte der Test nicht vernünftig durchlaufen, dann kam ein zweiter Strich. Zumindest ein Schatten, mit ganz viel Fantasie, Augen zusammen kneifen und mit perfekten Lichteinfall. Verdunstungslinie, wahrscheinlich. Zur Sicherheit machte ich am nächsten Morgen noch einen – Negativ. Ich war wütend auf mich selbst, dass ich mir unnötig Hoffnung gemacht hatte, dass ich nicht abgewartet habe und dass es auch diesmal nicht geklappt hat. All die Traurigkeit brach aus mir heraus. Und doch ließ mir das Thema keine Ruhe, als Tage später meine, sonst so pünktliche, Periode nicht kam. Jetzt auch noch Zyklus Probleme? Ich machte einen Frühtest, negativ, und einen Normalen, ein hauchzarter zweiter Strich, kaum erkennbar. Am Abend testete ich wieder – Ganz zart positiv. Und am nächsten Morgen. Wieder positiv… Aber so richtig glauben konnte ich es nicht, waren die Tests doch alle schon Ewigkeiten im Schrank. Um wirklich Gewissheit zu haben, fuhren der Mann und ich los, kauften 2 weitere Tests und auch diese bestätigten das, was wir uns ein Jahr lang wünschten: Ich bin tatsächlich schwanger. ❤️

Ich bin wahnsinnig aufgeregt, sind wir doch schon so lang aus dem Baby Game raus. Die Kinder sind 11 und 8, selbstständig und die Zeit, in der man in den Schlaf schaukelte, Windeln wechselte und Milch fütterte, so weit weg. Tja, einmal alles auf Anfang bitte! Wir freuen uns so sehr und können es nach so langer Hibbelzeit kaum fassen, dass es endlich geklappt hat. Kleines Wunder, wir sind so gespannt auf dich.

Alles. Oder nichts.

        

Ein kurzer Klick, 2 Minuten lang scrollen, hier liken, dort ein Herz verteilen. Kamera Symbol auf, Schnappschuss gemacht, vielleicht noch kurz durch Lightroom schicken, 2 Sätze drunter, posten. Das Online Leben ist schnell lebig, es besteht aus ein paar Fotos, ein paar Tweets, Follower und Likes. Vorbei sind die Zeiten, als es noch Blogger und nicht Influencer hieß, als man noch die schwere Spiegelreflexkamera von A nach B schleppte, sorgfältig Fotos sortiert hat und einen ellenlangen Post geschrieben hat. Auf dem Blog. Auf der Website. Als man Stunden damit verbrachte, ein neues Layout zu erstellen, Tag und Nacht über Photoshop saß und noch länger, um sämtliche Codes zu schreiben, damit all das ein schickes Design für seine eigene kleine Internet Plattform abgibt.
Es begann vielleicht bei Knuddels, die ersten Versuche eine Seite zu erstellen. Dann gab es Oyla und die Szene wuchs. Woche für Woche tüftelte man an neuen Layouts, bot sogar Fertige für Andere an. Man verlinkte sich gegenseitig, schrieb sich ins Gästebuch, später kommentierte man über Cutenews, bis irgendwann WordPress kam. Einige hörten auf, andere machten weiter. Es wurde persönlicher, hier Rezepte, dort Daily Blogs. Man wurde älter, das Thema Datenschutz wuchs. Die Anforderungen auch. Nur die Zeit, die wurde kürzer. Und irgendwann, da wurde es still. Ein paar Hartgesottene schrieben, bloggten und hielten ihre Seite am Laufen. Die Meisten verschwanden. Man las sich auf Twitter, auf Instagram und irgendwann war es vorbei. So auch bei mir. Jahrelang stand der Blog still. Eine leise Erinnerung an das, was jahrelang ein fester Bestandteil war. Erinnerungen, Momente, Fotos, das pure Leben. Es fühlte sich nicht mehr richtig an, die Zeit wurde anders genutzt. Ab und zu loggte man sich ein und immer mehr Blogpostings verschwanden. Zu persönlich. Und doch war genau das etwas, was mir immer am Herzen lag. Ungefiltert schreiben, Momente teilen, quasi die Seele ins Internet stellen. Vieles würde ich im Nachhinein nicht mehr machen. Anderes schon. Durch diese Zeit habe ich so viele liebe Menschen kennengelernt, Viele folgen mir schon, da war es mit meinem Mann noch ganz frisch. Ihr habt die Anfänge einer Beziehung mitbekommen, die aufregende Zeit, bis wir das erste Mal Eltern wurden. Wir haben geheiratet, wir bekamen unser zweites Kind. Viel habe ich hier geteilt, viel habe ich durch diese Zeit mitgenommen und gelernt. Jahre später kam dann schleichend dieser Gedanke: Wozu das ganze noch online lassen? So viele fremde Menschen können über unser Leben lesen. Ist das gut? Sollte nicht all das privat sein? Die Antwort: Natürlich sollte es das. Und so kam der Gedanke, all das zu löschen. Auszuradieren. Der Entschluss stand und als ich mich das letzte Mal einloggte, war es auf einmal bitter. Ein Teil meines Lebens, so viel Liebe steckt hier drin. Kann ich das mit einem Klick verschwinden lassen? Ich bringe es nicht übers Herz. Schreiben hat mir immer geholfen. Meine Gefühle ausdrücken kann ich am besten auf Papier, es tut gut, einfach drauflos zu tippen und keine Ahnung zu haben, wo es hinführen wird. Die Social Media Welt ist groß, Niemand hat mehr Zeit für mehr als ein paar Wörter, manchmal möchte man auch gar nicht mehr teilen. Vor der Kamera stehen und drauflos zu reden, war nie meins. Ich bin still, zu still, um einfach Story für Story zu posten. Selbst Sprachnachrichten gibt es bei mir nie. Mein Ding waren immer Fotos und Texte. Vielleicht fällt es mir deswegen so schwer, all das hier aufzugeben. Meinen kleinen Schatz voller Wörter und Erinnerungen aufzugeben. Vielleicht werde ich in ein paar Tagen, Wochen, Monaten den Löschbutton drücken. Vielleicht auch nicht.