Ein Ende

        

Und wieder habe ich versäumt, ein Ende zu setzen, bevor es zu spät ist. Bevor man nicht mehr abbremsen kann, bevor man nicht mehr die Rückspul Taste drücken kann. Und wieder hätte ich es wissen müssen. Wissen müssen, dass du nicht die Person bist, die ich mir jedes Mal wünsche, die du bist. Du hast 2 Gesichter, das eine ist lieb, fürsorglich, reuevoll. Die Andere kaltblütig, hinterhältig und verlogen. Meist zeigst du dein böses Gesicht, das Gute kommt nur selten zum Vorschein. Und doch falle ich immer wieder darauf hinein, obwohl ich dich schon jahrelang kenne. Aber die Hoffnung lässt die Wahrheit oft vernebeln. Wie gern würde ich sagen, dass du mir nichts mehr bedeutest, kein einziges kleines Gefühl für dich mehr da ist. Aber so ist es nicht. Ich kann sowas nicht behaupten, wenn ich im nächsten Moment schon an dich denke.
Jeder würde es falsch verstehen, es als noch nicht überwundene verlorene Liebe bezeichnen, aber Nein, Gefühle der Art Liebe sind nicht mehr da. Das weiß ich nur zu gut, hierbei muss ich mich nicht belügen.
Manchmal könnte ich daran zerbrechen, aber das wäre nicht fair. Wo du doch nur noch meine Vergangenheit bist. Manchmal zerbreche ich mir den Kopf, frage mich, wieso du nach all der Zeit nicht los lässt und einfach dein Leben lebst. Wieso du all die Sachen tust, die dein eigenes Leben zerstören können. Wieso du mein Leben zerstören willst.
„Bereue nie, wenn du in dem Moment glücklich warst“ Ich bereue aber. Weil ein Teil meines Herzens in sovielen Momenten zerbrochen ist und selbst jetzt sicher noch ein Brocken fehlt. Wenn aus Liebe der größte Fehler meines Lebens wird. Und auch damals hätte ich es wissen müssen, die Notbremse ziehen sollen und auf mich aufpassen müssen.
Eigentlich tut es schon weh, etwas bereuen zu müssen, was mal schön war. Aber nun zerstört es nur noch. Weil man nicht versteht. Weil ich nicht kann. Weil du zerstörst. Weil Vergangenheit sich nicht so leicht abschütteln lässt.
Und ich wünsche mir so sehr, einiges wäre anders verlaufen. Oder man könnte, zumindest jetzt, einen Schlussstrich ziehen und das Thema verblassen lassen. Aber das geht nicht, wenn du immer wieder versuchst, einen Platz in meinem Leben einzunehmen. Und ich jedes Mal kämpfen muss, es nicht zuzulassen, die Hoffnung auszublenden und sich einzugestehen, dass es nie wieder besser wird. Weil du dich nicht änderst. Nicht ändern kannst. Ich bin das kämpfen satt. Du das zerstören nicht auch?
Manchmal wünsche ich mir auch, du könntest einmal das fühlen, was ich fühle. Wenn du nicht mehr der Zerstörer ist, sondern der Zerstörte. Dass ich dir ebenso weh tun könnte. Aber so ein Mensch bin ich nicht. Ich bin nicht so wie du. Vielleicht würdest du damit noch schlechter umgehen, als ich. Das einzigste, was ich mir letzten Endes wünsche, ist ein Ende. Und darauf werde ich warten, Tag für Tag. Vielleicht wird es irgendwann vorbei sein, irgendwann wieder gut sein. Ohne deinen Namen in meinem Leben.

Go and get a life – Respekt im Netz

        

„Meine Welt besteht nur aus Piercings, Tattoos und Glitzersachen. Ich habe keinen Bock zu arbeiten. Ohne meinen Mann bin ich ein Nichts. Ich sollte der Maus die Ohren anlegen lassen. Ich sollte kein weiteres Kind bekommen, wenn ich nicht vorhabe, zu stillen. Kunstnägel sind sinnlos. Ich jammere über Dinge, die zu teuer sind. Die Maus wird von mir nichts für die Zukunft lernen. Ich habe keinen Bock, dass mich jemand vermittelt und verzichte auf Geld. Mein Kind spricht nicht, weil ich sie nicht fördere. Ich beschäftige mich nicht mit meinem Kind. Kein iPhone 5s, das 5c reicht auch. Mein Kind trägt nur Pink und sollte sich für mich schämen, weil ich nicht mehr habe, als einen Schulabschluss. Ich sollte nachts oder frühmorgens arbeiten. Ich schäme mich für mein Kind, wenn ich nicht sage, ob sie geplant oder ungeplant war.“
Dies ist nur ein Bruchteil der Kommentare, die mir anonym geschrieben werden. Würdet ihr einen Menschen draußen auf der Strasse in die Augen blicken und einen dieser Sätze ins Gesicht sagen? Menschen, die ihr gar nicht kennt, mal flüchtig irgendwo gesehen habt? Oder stellt euch vor, euch würde man solche oder ähnliche Dinge an den Kopf werfen. Schönes Gefühl, nicht?

Ja, ich bin mir durchaus bewusst, dass ich ein kleines bißchen von meinem privaten Leben im Internet preisgebe. Ich poste, was wir essen, ob wir auf den Spielplatz oder shoppen gehen. Ich sage, wie alt ich bin, wie ich heiße und ob ich Tattoos habe. Ich twittere, teile Fotos auf Instagram und blogge Auszüge aus meinem Leben.
Dennoch gibt es Grenzen.
Wenn ich ein Burger Foto poste, heißt es, dass wir nur ungesund essen? Wenn ich die Maus in Rosa kleide, bedeutet es, dass sie keinerlei andere Farben trägt? Darf man nur schwanger werden, wenn man vorhat, zu stillen? Nur weil ich derzeit nicht arbeite, werde ich es niemals tun? Ein paar Piercings und die Liebe zu Tattoos bedeuten, dass ich nichts anderes im Kopf habe?

Auch wenn man oft präsent ist, dies ist ein Bruchteil meines Lebens. Ein kleiner Bruchteil. Und viele Anonyme nehmen sich das Recht raus, so zu tun, als wissen sie alles. Kotzen ihre Schimpfwörter, Anschuldigungen und Beleidigungen auf eine Plattform und fühlen sich im Recht. Klar, ist ja auch leicht gemacht, mal eben ein paar Wörter getippt, Urteil gebildet, fertig. Aber bitte beantwortet mir eins: Was bezweckt ihr damit? Dass ich von morgens bis Abends mit meiner Tochter das ABC pauke, alles stehen und liegen lasse und jetzt und sofort arbeite, mich nie wieder tattoowieren lasse und Glitzer ab jetzt ignoriere?

Wenn man sich dafür entscheidet, zu bloggen, mit fremden Menschen Dinge zu teilen, dann ist man sich auch darüber bewusst, dass es nicht immer nur von jeder Seite Zurufe gibt. Jede Person auf dieser Welt hat seine eigene Meinung und das ist super so. Wenn jemand konstruktive Kritik ausübt, finde ich das ok. Ich kann damit leben, man kann in freundlichem Ton diskutieren, man kann auch mal Fragen stellen, wenn einen ein Thema interessiert oder ein „Warum?“ erfahren möchte.
Aber oft legt man dies beiseite und wird ausfallend. Weil meine Meinung nicht passt, weil mein Leben anders ist, als von Person XY. Vielleicht sogar, weil ich Kunstnägel habe und die nicht gefallen. Ich weiss es nicht. Aber ich bin kein Mülleimer. Kein Mülleimer für Wortkotze, Beschimpfungen und respektlosen Verhalten. Ich bin ein Mensch. Ich habe Gefühle, ich kann klar denken und hab nicht nur Kaugummi im Gehirn.
Wenn ich eine Person nicht mag und nicht damit klar komme, verlasse ich den Blog. Ich verfolge diese Person nicht auf Twitter, beschäftige mich nicht mit ihrem Leben und widme mich anderen Dingen. Wofür existieren Follow Button, die man jederzeit „entliken“ kann?
Zeit ist kostbar. So, so kostbar. Grade in diesen Zeiten weiss ich, was es bedeutet, bewusst Zeit mit den Personen zu verbringen, die man liebt. Weil einen die Zeit in den Fingern verrinnt. Weil sie nie wieder kommen wird. Wozu also mit Dingen beschäftigen, die einen aufregen? Es gibt doch Milliarden von Bloggern da draußen, die man vielleicht lieber liest.

Eigentlich wollte ich zu den obigen Kommentaren gar nicht viel sagen, aber ich mache diesen Fehler trotzdem.
Wisst ihr, ich finde es wunderschön, den Luxus zu haben, dass ich volle 3 Jahre ab der Geburt bei meinem Kind sein kann. Dass ich sie nicht mit wenigen Monaten in die Kita schicken musste, weil mein Elternjahr vorbei ist, sondern in vollen Zügen ihr Aufwachsen mitzuerleben, bei ihren ersten Schritten und dem ersten Wort dabei zu sein. Jeder Mensch ist anders. Die einen wollen unbedingt schnell wieder arbeiten, oder müssen es, und das ist völlig ok. Zuhause zu bleiben aber auch. Weil man das Recht darauf hat. Früher war dies völlig normal und man kannte es gar nicht anders – Heute wird es verpöhnt.
Zudem sprechen wir hier von einigen Jahren, nicht einen Leben lang. Natürlich bin ich mir bewusst, dass es mit jedem Jahr schwieriger wird. Mir wurde gesagt, ich soll einen Nebenjob antreten, jetzt (Bzw. vor einigen Monaten), während die Maus noch nicht im Kindergarten betreut wird, nachts arbeiten oder früh morgens. Unsere Nacht ist um 6.30 vorbei. Ich schlafe sehr schlecht, brauche lange, um zur Ruhe zu kommen und ist es da wirklich nötig, nachts zu arbeiten, wenn ich 12 Stunden täglich allein für die Betreuung meines Kindes verantwortlich bin?
Ich hatte nie vor, mit 23 Ausbildungslos zu sein. Mit kindlichen Gedanken sagte ich früher immer, ich will Abi machen, Arzthelferin werden. Es kam anders. Mir ging es viele Jahre in der Schulzeit sehr schlecht, ich fiel seelisch immer weiter bergab. Ich verließ das Gymnasium, machte eine Therapie, war in einem speziellen Projekt und wurde wieder „eingegliedert“, machte in wenigen Monaten meinen Schulabschluss mit einer 1 in fast jeder Abschlussprüfung. Ich ging zur Berufsschule und mein voriges Problem tauchte wieder in mein Seelenleben. Ich bewarb mich dumm und dämlich, weinte vor Glück, als ich die Zusage für eine Ausbildung bekam. Ich reisste mir den Arsch auf, wurde von meinem Choleriker Chef vor Patienten angebrüllt und verließ die Praxis letztendlich, weil mein Chef, mein Ausbilder, schlichtweg keine Zulassung hatte. Murphy in your Ass.
Aber statt aufzugeben, bewarb ich mich weiter. Bekam irgendwann eine zweite Chance. Und wurde wieder gekickt, weil der Arzt keine 2 Auszubildenden beschäftigen wollte. Meine damalige Kollegin rasselte durch die Prüfung und ich musste für sie gehen.
Und dann stellte sich mein Leben völlig auf den Kopf und wir bekamen das größte Glück in Form eines Kindes.
Und wisst ihr, jetzt nehme ich mir einfach mal das Recht heraus, es einfach zu genießen, Mutter zu sein. Ohne Verpflichtungen. Diese Zeit wird nicht für immer sein und selbst, wenn ich ein weiteres Kind bekommen würde und auch dann nicht nach wenigen Monaten wieder arbeiten würde, wäre das ok. Weil ich es nämlich nicht der ganzen Welt recht machen muss und „Jetzt nicht arbeiten“ nicht bedeutet „Niemals arbeiten“.

Jedes meiner Tattoos habe ich mir erspart. Durch ein Gehalt, was ich damals bekam oder durch Geld, welches ich zu Geburtstagen oder anderen Feiertagen geschenkt bekommen habe. Ich lasse mir die Nägel machen, weil dies diese eine Stunde Luxus im Monat ist, die nur für mich da ist. Ich finde gepflegte Nägel sehr wichtig und habe einfach nicht die Ruhe oder die Lust mir diese ständig neu zu bepinseln, in Form zu pfeilen und co. Manch einer mag es, der Andere nicht. Mein Mann überlegt bei jedem Termin sogar mit, welches Design dieses Mal schön wäre und findet es hübscher, als kurze, lackierte oder unlackierte Nägel.
Meine jetzige Meinung zum Thema stillen beim zweiten Kind ist Nein. Diese Meinung stammt aus dem Hier und Jetzt und kann sich jederzeit ändern, Gründe lassen sich schnell finden, man kann darüber streiten und Kinder mit Pulvermilch bekommen genauso viel Liebe und können ebenso innig gefüttert werden. Ich habe viele Nächte und einige Tage mir den Kopf darüber zerbrochen, bin in Tränen ausgebrochen und war verzweifelt. Es kam nicht genug Milch, das Kind ließ sich nicht anlegen, es war zuviel Stress drumrum und für uns. Es kann auch anders laufen, das leugne ich nicht, aber ich denke, für uns ist der andere Weg der Bessere.
Jeden Tag schaue ich mit meiner Tochter Bücher an, zeige ihr Dinge, benenne sie, übe mit ihr Wörter richtig auszusprechen. Sie puzzelt, knetet, malt und hat nicht übermäßig viel Spielzeug, wie man im Blogpost über ihr Zimmer sehen konnte. Viel mehr existiert nämlich nicht. Ich hasse Plastikbimmelspielzeug und mag motorisch wertvolles lieber. Genauso darf sie aber mit Barbies, Autos und co spielen – Eben mit dem, was ihr gefällt. Ich stecke sie nicht in 20 Kurse und sie muss auch nicht von 1 bis 100 zählen können. Wenn sie etwas noch nicht kann, ist das ok. Nicht jedes Kind ist gleich, kein Kind muss ab 1 perfekt sprechen können und von morgens bis abends gefördert werden. Wenn man mit 2 Jahren Englisch für Anfänger macht, oder von Geburt an verschiedene Kurse besucht, ist das in Ordnung. Muss man aber nicht. Und das ist auch ok.

Ich gebe viel preis, aber was ich preis gebe, entscheide immer noch ich. Und dementsprechend muss ich nicht jede Frage beantworten und die Antwort öffentlich ins Netz stellen. Und vor allem nicht, wenn man dabei noch mies angegangen wird. Ich muss nicht sagen, wofür wir das Geld ausgeben, ich muss nicht täglich zeigen, ob das Kind gefördert wird oder ob es Salat oder Pizza gibt. Ich kann es, mache es manchmal, muss es aber nicht. Weil ganz allein ich darüber entscheide, was ich teile und was nicht. Zu welchem Zeitpunkt, wie ausführlich oder ob ich es komplett heraus halte.

Manchmal habe ich das Gefühl, als wenn krampfhaft etwas gesucht wird, worüber man motzen kann. Ich lese viele Blogs und ja, bei dem Ein oder Anderen gefällt mir vielleicht auch nicht alles. Es gibt aber bedeutende Unterschiede. Nämlich, ob man sich überlegt, dass es nicht besser wäre, sich nicht weiter damit zu beschäftigen oder die Person zu verletzen, mit Worten. Bevor man solch einen Kommentar abschickt, überlegt man da eigentlich, was und wie man grad etwas geschrieben hat? Wie sich die Person am anderen Ende fühlt? Ist man wirklich so bitterböse und gibt soviel Hass in ein paar Zeichen, wenn man jemanden eigentlich kaum kennt?
Heutzutage wird viel zu schnell ein Urteil gefällt, ohne wirklich nachzudenken.
Und selbst, wenn ich jeden Tag nur rosa Cupcakes posten würde, Glitzerglitterplüschpuff Sätze schreibe und Geld, welches ich nicht selbst verdient habe, für, in manchen Augen, sinnlose Dinge ausgebe, heißt es dennoch nicht, dass mein Leben nur daraus besteht. Dass ich keine anderen Sachen mache, über nichts anderes nachdenke oder nichts anderes vorhabe.
Es sind Mutmaßungen, mehr nicht. Und ich müsste mich nicht mal rechtfertigen. Wieso ich es trotzdem tue? Ich weiß es nicht. An manchen Tagen, da lache ich über anonyme Kommentare. Rede darüber, verdrehe die Augen. Und an anderen Tagen tut es weh. Weil ich eben auch nur ein Mensch bin und es nicht nötig habe, mir alles gefallen zu lassen, was man mir entgegen rotzt.

Auch, wenn hier so viele Worte stehen, ich soviel zu meinem Leben geschrieben habe – Es ist nur ein Bruchteil. Ihr wisst nicht, was im Leben eines Menschen vorgefallen ist, welche Schicksalsschläge derjeninge hinter sich hat, wie oft man weinend da sass, zusammen gebrochen ist und nie wieder aufstehen wollte. Wieso man so ist, wie man ist, warum man so ist und nicht anders. Denkt vielleicht einfach mal dran, wenn ihr nächstes Mal jemanden beschuldigt, nur Glitzer im Kopf zu haben. Ihr kennt nicht die ganze Geschichte.
Begegnet euren Gegenüber mit Respekt, egal ob auf der Straße, im Büro oder im Internet. Achtet darauf, dass Worte anders ankommen können, als sie geschrieben wurden, man nicht weiß, was in der Person vorgeht und denkt nochmal nach, ob es das wirklich wert ist oder ihr lieber rausgeht, Sonnenstrahlen tankt und einem netten Menschen sagt, dass er super ist. Statt sich mit Dingen rumzuärgern, die man nicht nachvollziehen kann.

An Tagen wie diesen

        

Wenn du dich das erste Mal verliebst, dann ändert es dein Leben für immer. Das erste Mal, die erste große Liebe. Mit den größten Schmetterlingen, mit dem Lächeln im Gesicht, dass dich durch deine Welt trägt, die Küsse, die deine Lippen zum kribbeln bringen, die Hand, die Deine fest umschließt. Die Berührungen, die noch Stunden später einen Schauder auf deiner Haut hinterlassen, die Momente, die die Welt einfrieren.
Jedem, wirklich jedem willst du erzählen, wie glücklich du bist, aber das brauchst du gar nicht, denn dein Lächeln verrät dich. Du willst in die Welt hinaus schreien, „Hey, das ist er, das ist meiner und von Niemanden sonst! Wir beide für immer, egal, was passiert.“
Jede Sekunde mit ihm wird zur Unendlichkeit, das aufstehen fällt auf einmal leicht und alles ist gleich viel schöner.
Man hat die rosa rote Brille auf, man ist verloren in der Wolke 7 und doch sollte man aufpassen. Aufpassen, dass man sein Herz nicht verliert, nicht abhängig wird, dass die Gedanken klar bleiben.
Tja. Ich habe nicht aufgepasst. Ich habe den Moment verpasst, an dem es gefährlich wurde. Und das war der Absturz meines Herzens.
Ich habe vergessen, wie es ist, wenn man lächelt, wie es ist, diese Schmetterlinge zu spüren, ich habe vergessen, wie wunderschön Berührungen sein können.
Ich war blind und bin die Klippe hinunter gefallen, rein in den Albtraum, vor dem mich alle gewarnt haben und ich sie hinter meiner rosa Brille nicht gesehen habe.
Weisst du, ich habe heute diesen Song gehört. Er beschrieb, wie groß diese eine Liebe ist, aber wie kalt es sich anfühlt. Wie weh es tut, zu lieben. Wie man zerbricht, an diesem Gefühl. Dieser Song ist viele Jahre alt. Bei den ersten Tönen kam genau das Gefühl zurück, was ich viele Jahre zuvor hatte. Als ich diesen Song schon einmal hörte, meine Augen rot und verweint waren, ein Berg voller Taschentücher vor mir und nasse Ärmel vom Tränen abwischen.
Ich hab dich angeschrien, dir gegen die Brust geschlagen, geweint, gebrüllt, bin zusammen gesunken und du hast mich gehalten. Das war nur ein Moment, von vielen.
Es gibt viele Songs, die ich damals gehört habe und sie erinnern mich auch heute noch an dich.
Ich sehe dich vor mir, wie deine Augen vor Hass glühen. Ich sehe dich vor mir, wie du mich anlächelst und deine Augen strahlen. Und ich kann es bis heute nicht fassen.
Dieser eine Moment. Du kamst auf mich zu, sagtest „Hi“, sahst so unglaublich gut aus und mein Herz schlug schneller. Wir verbrachten Stunden miteinander. Wir lernten uns kennen und lieben.
Genau das, genau dieser Moment ist jetzt 10 Jahre her.
Ich kann dir nicht sagen, ob dieser Tag ein Fehler war. Er hat soviel zerstört, mich zerstört. Manchmal wünschte ich, ich hätte dich nie kennen gelernt. Aber ist es ein Fehler, zu lieben?
Ich dachte, ich kenne dich. Selbst in den schlimmsten Momenten liebte ich dich. Du schlugst mir ins Gesicht und trafst mein Herz. Du hast mich zu Boden geschmissen, mich getreten und jedes Mal stand ich wieder auf, wischte mir die verweinte Mascara aus dem Gesicht, zog meine Sachen zurecht und lächelte.

Man sagt, wenn etwas vorbei ist, erinnert man sich nur noch an die schönen Dinge. Das stimmt. Von den schlimmen Dingen träumt man. Sie sind im Unterbewusstsein, können durch die normalsten Situationen zu Tage kommen und selbst, wenn man denkt, dass es gar nicht mehr weh tut, ist da etwas, was das Herz zusammen zieht.
Er war mein bester Freund. Mein Halt, wenn ich nicht weiter wusste. Ich erinnere mich an all die Dinge, die passierten und die mich veränderten. Wie viel Schmerz kann ein Mensch ertragen? Wie kann man Angst vor der Person haben, die man liebte? Ich hasse nicht. Selbst, wenn ich es wollte, kann ich es nicht und das versteht Niemand. Denn ich verstehe es selber nicht. Vielleicht, weil ich soviel mit ihm erlebte. Vielleicht, weil er auch gute Seiten hatte und genauso oft für mich da war, wie er mich zu Boden riss.
Ich vermisse diese Beziehung nicht, ich vermisse ihn nicht. Ich vermisse es, die zu sein, die ich mal war. Die nicht Tränen überströmt wach wird und im Traum um sich schlägt. Die nicht bei einer falschen Bewegung zusammen zuckt. Die, die keine Selbstzweifel hat, dass sie nicht gut genug ist, weil es Jahrelang so eingetrichtert wurde. Die, die „Nein“ sagen kann, ohne Angst zu haben, dass etwas passiert. Die, die nicht weinend zusammen bricht, weil ihre Vergangenheit sie einholt und Nachrichten dieselbe höllische Trauer und Schmerz auslösen, wie früher.
Nein, da ist keine Liebe. Natürlich nicht. Aber es ist ein Gefühl. Angst, Trauer, Erinnerung. Kann sich ein Mensch wirklich so ändern? Oder kann man sich so sehr täuschen? Ich glaube an das Gute im Menschen. Ich glaubte an dich. Ich glaubte an uns.
Und mit einem eiskalten Schauer einer heißen Hand auf der Wange schrecke ich auf, mein Herz klopft, meine Tränen stehen mir in den Augen. Da war er wieder, der Traum. Von einer Zeit, die lange vergangen ist.
Es gibt Momente, die verändern Leben. Das kann ein Kuss sein. Ein Blick. Ein Lächeln. Eine Faust, ein Schlag, ein niederwerfen.
Das verändert nicht nur eine Beziehung, es ändert dich. Es ändert dein Herz, deine Zukunft.
Doch wie schlimm es auch war, man schaut in den Spiegel, wischt sich die Tränen ab, legt ein Lächeln ins Gesicht und macht weiter. Es sind nur Träume. Es ist keine Gegenwart mehr. Wie schlimm es auch ist, wie sehr es einen zu Boden reisst, letztendlich ist es Vergangenheit. Aber es tut weh, noch heute.
Denn genau an Tagen wie diesen, zerfrisst es mich. Ein Blick auf den Kalender und schon ist man zurück versetzt um 10 Jahre in die Vergangenheit. Du kommst auf mich zu, lächelst. Vielleicht hätte ich mich wegdrehen sollen. Vielleicht hätte ich dich lieben sollen, bis du dich geändert hast. Aber ich habe dir mein Herz geschenkt, bis es fast zu spät war.
Wir reden hier nicht von einer Teenie Liebe. Wir reden von der ersten großen Liebe, die Jahre andauerte und mein Herz zerbrach. Blaue Flecken auf der Haut und im Herzen, Wunden, die weg sind, aber nie ganz verheilen.
Vergangenheit ist vergangen. Aber jedes Jahr am 7.September tut es ein bißchen mehr weh, als sonst. Kommt es ein bißchen mehr in die Erinnerung, die sonst nur für schöne Dinge da ist.
Vielleicht sieht es morgen schon wieder ganz anders aus. Wenn ich das Krönchen grade rücke und im Hier und jetzt bin. Hier, wo 10 Jahre vergangen sind und ich die wirkliche Liebe gefunden habe. Nicht die erste, aber die letzte.